Heimat- und Museumsverein Perg, Stifterstraße 1, 4320 Perg,
Telefon: 0650 5427786, E-Mail: heimathaus-stadtmuseum@perg.at

Öffnungszeiten und Veranstaltungen


Terminkalender

Heimat- und Museumsverein Perg und Verein Steinbrecherhaus
Die Termine können direkt in den eigenen Google-Terminkalender übernommen werden.

Besichtigung des Heimathaus-Stadtmuseum Perg und des Steinbrecherhauses sowie Führungen sind täglich nach Voranmeldung möglich. 

Telefon 0650 5427786

Spezialführung: Thomas Lansius und sein Einfluss auf die englische Literatur

Im Rahmen einer Führung durch die Ausstellung "Thomas Lansius - Flucht und Karriere" erläuterte der Kurator der Ausstellung, Franz Pfeiffer, am Samstag, 15. Juli 2017 an Hand von Museumsobjekten aus dem Bestand des Heimathaus-Stadtmuseums sowie von Leihobjekten das Leben und Wirken des Altpergers Thomas Lansius.

Lansius hatte als Auslandsstudent Thomas Lantz den kaiserlichen Markt Perg  mit 17 Jahren verlassen, nach ausgedehnten Europareisen als Adeligenbegleiter im protestantischen Tübingen geheiratet und als Wirtschaftsflüchtling im Dienste der würtembergischen Herzöge Karriere gemacht. Er konnte schließlich als Glaubensflüchtling wegen der Gegenreformation nicht mehr in seine Heimat zurückkehren.

Europaweite Berühmtheit erlangte er durch die Veröffentlichung von Redeübungen unter dem Titel "Consultatio de principatu inter provincias Europae". Für den Vergleich der europäischen Nationen in der frühen Neuzeit, noch vor dem 30-jährigen Krieg, bediente er sich zeitgenössischer und bis in die antike zurückreichender Quellen und verband dieses Wissen mit dem aktuellen Zeitgeschehen und den Erkenntnissen seiner eigenen Reisen.

Titelbild und Titelblatt der "German Diet" von James Howell, London, 1653, eine Überarbeitung und Übersetzung der "Consultatio de principatu" von Thomas Lansius aus dem Jahr 1613
Das in lateinischer Sprache gehaltene umfangreiche Werk wurde zwischen 1613 und 1678 sechsmal in Tübingen und zweimal in Amsterdam herausgegeben. Es diente zahlreichen jungen Adeligen zur Vorbereitung ihrer Kavalierstouren durch Europa ähnlich wie auch die englischsprachigen Schriften von James Howell. James Howell bearbeitete vierzig Jahre nach deren Erstveröffentlichung die "Consultatio" von Thomas Lansius und ließ das Werk in englischer Sprache in London drucken.

Bei seinem Besuch im Heimathaus-Stadtmuseum Perg erzählte Prof. Waldemar Zacharasiewicz, dass er im Zuge der Recherchen für seine Habilitationsschrift Ende der 1960iger-Jahre in London in einer historischen Bibliothek auf den Zusammenhang von James Howell und Thomas Lansius aufmerksam geworden ist. Er hat diese Erkenntnisse quasi als Nebenprodukt seiner Forschungen in einem umfangreichen Aufsatz in der Festschrift der Universität Graz zum Keplerjubiläum 1971 veröffentlicht. Anlässlich seiner Emeritierung wurde dieser Aufsatz ins Englische übersetzt und zusammen mit mehr als zwanzig weiteren Aufsätzen aus seinem vierzigjährigen Wirken unter dem Titel "Imagology Revisited" 2010 in Amsterdam publiziert.

Emer. o. Univ.-Prof. Dr. phil. Waldemar Zacharasiewicz, Wirkliches Mitglied der philosophisch-historischen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften seit dem Jahr 2000. Forschungsbereiche: Sprach- und Literaturwissenschaften, Amerikanistik, Anglistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte, Neuere Geschichte.